25.04.2026
Kindeswohl ist unverhandelbar: Berufsverband warnt vor ideologischen Einflüssen in der stationären Jugendhilfe
PRESSEMITTEILUNG
Datum: 25. April 2026
Ort: Berlin
Herausgeber: Deutscher Berufsverband für Soziale Arbeit (DBSH)
Kindeswohl ist unverhandelbar: Berufsverband warnt vor ideologischen Einflüssen in der stationären Jugendhilfe
Nach der Inobhutnahme von sechs Kindern in einer Einrichtung im Allgäu fordert der Berufsverband für Soziale Arbeit eine lückenlose Aufklärung und eine strengere Aufsicht über Träger mit fundamentalistischen Hintergründen.
Die jüngsten Ereignisse im Allgäu, bei denen sechs Kinder aus einer stationären Einrichtung erneut in Obhut genommen wurden, erfüllen uns mit Sorge. Berichten zufolge steht der Träger der Einrichtung Personen und Organisationen aus dem christlich-fundamentalistischen Spektrum nahe, deren Weltsicht und „Heilungspraktiken“ massiv der fachlichen Ethik und den wissenschaftlichen Standards der Sozialen Arbeit widersprechen.
Fachlichkeit statt Dogmatismus
Als Berufsverband stellen wir unmissverständlich klar: Soziale Arbeit ist eine wissenschaftsbasierte Profession, die sich der Wahrung der Menschenrechte und der Selbstbestimmung verpflichtet fühlt.
„Wenn religiöse Dogmen über pädagogische Standards gestellt werden und sogenannte 'Heilungspraktiken' zum Einsatz kommen, die das Kindeswohl gefährden, verlassen wir den Boden der professionellen Jugendhilfe“, so Sebastian Hainski, Vorsitzender des DBSH.
Unsere Kernforderungen:
- Lückenlose Aufklärung: Die Hintergründe der Inobhutnahme und die pädagogischen Konzepte vor Ort müssen transparent geprüft werden.
- Strenge Aufsicht: Die zuständigen Behörden müssen bei der Erteilung von Betriebserlaubnissen genauer prüfen, ob Träger die Trennung von missionarischem Eifer und professioneller Erziehung gewährleisten können.
- Schutz vor Pseudowissenschaft: Praktiken, die auf esoterischen oder fundamentalistischen Weltbildern basieren und Kinder psychisch oder physisch unter Druck setzen, haben in der Kinder- und Jugendhilfe keinen Platz.
Die Rolle der Fachkräfte
Wir solidarisieren uns mit den Fachkräften, die den Mut haben, Missstände in solchen Strukturen aufzuzeigen. Gleichzeitig mahnen wir an, dass die Trägerauswahl durch die Kommunen nicht allein nach ökonomischen Kriterien oder Platzverfügbarkeit erfolgen darf. Wer Kinder betreut, muss auf dem Boden des Grundgesetzes und aktueller pädagogischer Standards stehen – ohne Wenn und Aber.
Wir werden den Fall im Allgäu weiterhin kritisch begleiten, um sicherzustellen, dass von den Behörden die entsprechenden Konsequenzen gezogen werden und dass die betroffenen Kinder nun die professionelle Hilfe erhalten, die sie benötigen.
Pressekontakt:
Christian Lohwasser
Sprecher für Werteorientierte Soziale Arbeit
werteorientierung(at)dbsh(dot)net
www.dbsh.de
Hintergrund zur Einordnung:
Als Berufsverband vertreten wir die Interessen von Sozialarbeiter*innen. Ein zentraler Pfeiler unserer Arbeit ist der DBSH-Ethikkodex, der Diskriminierung ablehnt und die Förderung der menschlichen Würde als oberstes Ziel definiert. Fundamentalistische Gruppierungen, die Abhängigkeiten schaffen oder Kinder indoktrinieren, stehen im diametralen Gegensatz zu diesen Werten.